Berufliche Bildung fördern & Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen

Um gemeinsam mit Partnern vor Ort ein leistungsfähiges und von Regierung und Gesellschaft akzeptiertes Berufsschulsystem aufzubauen, unterstützt die Bundesregierung die afghanischen Partner vor Ort dabei, Berufsschullehrkräfte auszubilden und Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung zu schaffen oder zu verbessern.

Situation

In Afghanistan herrscht ein hoher Bedarf an beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen; jährlich drängen etwa 400.000 Jugendliche auf den Arbeitsmarkt. Zwischen 2002 und 2014 ist die Zahl der Berufsschulen in Afghanistan von 41 auf fast 300 gestiegen, die Zahl der Schülerinnen und Schüler von etwa 1.350 auf über 56.000. Bis 2021 plant die afghanische Regierung eine weitere Erhöhung der Zahl der Berufsschülerinnen und -schüler auf fast 155.000.  Hierfür bedarf es insgesamt etwa 600 Berufsschulen – das doppelte der derzeitigen Einrichtungen. Vor diesem Hintergrund ist der Bedarf an neuen Schulbauten und adäquat ausgestatteten Instituten ungebrochen hoch. Gleichzeitig müssen die administrativen Defizite im Berufsbildungsbereich durch Reformen behoben werden, damit neu gebaute Infrastruktur optimal genutzt werden kann.

Je mehr Berufsschulen, Ausbildungs- und Arbeitsplätze in den kommenden Jahrzehnten im Land entstehen, desto besser lassen sich Jugendliche im berufsbildungsfähigen Alter in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben Afghanistans eingliedern. Bisher verfolgen nur 2,4 % aller Jugendlichen eine formale Berufsausbildung, wohingegen rund 28 % auf traditionelle Weise in afghanischen Kleinbetrieben ausgebildet werden – informell. Daher bietet es sich an, neben der schulischen Berufsbildung auf den Ausbau der betrieblichen Berufsbildung zu setzen, die an die tradierten Strukturen anknüpfen kann.

Ziel

Die deutsch-afghanische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt durch Beratung bei der Berufsbildungsreform und den Bau von Berufsschulen sowie durch die Ausbildung von Lehrkräften den systemischen Aufbau der formalen beruflichen Bildung in Afghanistan. Mit der Verbesserung der Qualität der Berufsbildung wird gleichermaßen beabsichtigt, die Arbeitsmarktfähigkeit junger Menschen zu erhöhen.


Maßnahmen & Wirkung 

Im Rahmen der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan hat die deutsche Bundesregierung eine Vielzahl von Aktivitäten gefördert, welche die Weiterentwicklung des Berufsschulsystems stark voranbringen. Insgesamt ist die Bilanz des Projekts beachtenswert: In Kabul, Mazar-e Sharif und in der Provinz Kunduz wurden sechs Berufsschulen gebaut und insgesamt sieben ausgestattet – energieeffizient und umweltfreundlich. An diesen Schulen können Studierende in den Bereichen Automechanik, Elektrotechnik und Maschinenbau, Installation, Verwaltung, Rechnungswesen, Handel, IT und Landwirtschaft ausgebildet werden. In den neuen Berufsschulen absolvieren derzeit mehr als 14.000 Jugendliche eine Ausbildung, darunter 23,6 % Frauen. 50 Berufsschulen haben eine Basisausstattung für Werkstätten und Möbel für Unterrichtsräume erhalten, sieben neue gewerblich-technische Ausbildungsberufe konnten entwickelt und an 51 Berufsschulen eingeführt werden.

Lehrkräfte sind der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Bildungssystems. Ihre gute Ausbildung ist eine Voraussetzung für ein qualitativ hochwertiges Berufsschulsystem. Aus diesem Grund wurden zuvor nicht vorhandene Aus- und Weiterbildungen von Berufsschullehrerinnen und -lehrern geschaffen. Zwischen 2015 und 2018nahmen bereits mehr als 1.500 Lehrkräfte, darunter 18,5 % Frauen, an über 300 berufspädagogischen oder fachlichen Fortbildungen teil. Aktuell werden rund 350 junge Menschen, ein Drittel davon Frauen, zu Lehrerinnen und Lehrern an zwei durch das Vorhaben neu erbauten Berufsschulen in Kabul und Mazar-e Sharif ausgebildet. Diese Lehrerinnen und Lehrer können nach der Ausbildung ihr neu erlangtes Wissen an Kolleginnen und Kollegen weitergeben.

Zudem absolvierten bisher 28 % der Jugendlichen in den etwa 500.000 Handwerks- und Handelsbetrieben der Basare eine traditionelle und informelle Lehrlingsausbildung. Diese war jedoch nicht offiziell anerkannt – das ändert sich im Rahmen des Projekts TVET. Der neu eingeführte wöchentliche Besuch einer Berufsschule gestaltet das traditionelle Ausbildungssystem modern. Berufsschüler erlernen so Kenntnisse und Fertigkeiten, die zu einer modernen Berufsausübung und Betriebsführung notwendig sind. Darüber hinaus wurden Betriebspraktika im Rahmen der Schulzeit sowie Berufsbildungsmessen zur Information von Schülerinnen und Schülern und deren Eltern erstmalig eingeführt. Für die Durchführung von Berufspraktika haben rund 690 afghanische Unternehmen ihre Tore geöffnet.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Berufsschulen, Ausbildungs- und Arbeitsplätze in den kommenden Jahrzehnten im Land entstehen und je relevanter das Gelernte ist, desto besser lassen sich die Jugendlichen im berufsbildungsfähigen Alter in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben Afghanistans eingliedern und können so zur Entwicklung des Landes positiv beitragen.

Übersicht

Engagement in allen Provinzen.
Programm:
Förderung der beruflichen Bildung (TVET)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Behörde für technische und berufliche Bildung (TVET-A)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, KfW
Provinzen:
Landesweit
Programmziel:
Aufbau eines leistungsfähigen Berufsschulsystems. Die Arbeitsmarktorientierung und Zielgruppenrelevanz des pilothaft eingeführten Berufsbildungssystems sind verbessert.
Gesamtlaufzeit:
Mai 2009 – Januar 2020
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