Die Gesundheitsversorgung der afghanischen Bevölkerung verbessern

Um den Gesundheitsschutz auch über die Grenzen der Hauptstadt Kabul hinaus zu gewährleisten, unterstützt die Bundesregierung den Wiederaufbau und die medizinisch adäquate Ausstattung von Gesundheitszentren in Afghanistan. Auch Maßnahmen zur Bekämpfung des neben Nigeria und Pakistan nur noch in Afghanistan endemischen „wilden“ Poliovirus werden durch die Bundesregierung gefördert.

Situation

In Afghanistan liegt die durchschnittliche Lebenserwartung mittlerweile bei fast 63 Jahren – diese ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Die Müttersterblichkeit ist noch immer hoch. Auch die Kindersterblichkeit zählt in Afghanistan zu den höchsten der Welt: 7 % von 1.000 Neugeborenen sterben vor dem fünften Lebensjahr. Viele Kinder sind unterernährt. Insbesondere in den Gebieten außerhalb Kabuls ist die medizinische Versorgung unzureichend. Viele Gesundheitseinrichtungen sind veraltet und schlecht ausgestattet.

Ziel

Um die Gesundheitsversorgung der afghanischen Bevölkerung in den nördlichen Provinzen nachhaltig zu verbessern, zielen die Vorhaben im Rahmen des zivilen Wiederaufbaus des Landes auch auf den Ausbau eines adäquaten Gesundheitssystems ab – mit moderner Krankenhausinfrastruktur, Krankenhausmanagementsystemen sowie qualifiziertem Personal.

Wirkung

Mit dem Neubau moderner Gesundheitsinfrastruktur und der Fortbildung des medizinischen Personals wird die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Provinzen verbessert. Neben verbesserten diagnostischen Methoden kommen auch innovative Technologien wie die Telemedizin zum Einsatz. Die neuen Krankenhäuser sind nach Kriterien moderner Hygienestandards und der Energieeffizienz gebaut und bieten so ein verbessertes Gesundheitsklima für Patienten ebenso wie für das Personal.

Für das durch einen Brand zerstörte Hauptgebäude des Regionalkrankenhaus Balkh im Zentrum von Mazar-e Sharif wurde ein neues Hauptgebäude mit 360 Betten, vielzähligen Intensivpflegeplätzen sowie Operationssälen und Einrichtungen für Notaufnahme, Röntgen- und Labordiagnostik sowie telemedizinischer Ausrüstung errichtet. Das Regionalkrankenhaus dient den rund 430.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Mazar-e Sharif als Zentralkrankenhaus und den eine Millionen Bürgerinnen und Bürgern der Provinz Balkh als Überweisungskrankenhaus. Als akademischem Lehrkrankenhaus mit einer angeschlossenen Krankenpflege- und Hebammenschule kommt dem Krankenhaus eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung des medizinischen und pflegerischen Nachwuchses zu. Mehr als 400 Mitarbeitende nahmen bisher an Fortbildungen, arbeitsbegleitenden praktischen Anleitungen und Beratungen teil.  Seit 2009 wird die Krankenhausverwaltung in Mazar-e Sharif insbesondere in den Bereichen Mutter-Kind-Versorgung und Management beraten. So wurden Arbeitsabläufe gestrafft, der Patientenfluss wurde reorganisiert, die Raumaufteilung optimiert, die Patientendokumentation digitalisiert sowie Lagerhaltung, Abfallbeseitigung und Instandhaltung verbessert. In allen Abteilungen sind Leistungsverbesserungen zu verzeichnen. Ein kompetentes Team von 14 gut ausgebildeten Technikern sorgt außerdem dafür, dass Installationen und Geräte ordnungsgemäß funktionieren. Das Krankenhaus ist in der Lage, alle anfallenden Reparaturen und Wartungsarbeiten eigenständig durchzuführen.

Aktuell wird das Krankenhaus um ein modernes Mutter-Kind-Zentrum mit 250 weiteren Betten sowie medizinischer Einrichtung und Ausrüstung erweitert. Damit soll 2018 eine angemessene Schwangeren- und Kinderversorgung ermöglicht werden.

Darüber hinaus wurden in weiteren afghanischen Städten Krankenhäuser und Gesundheitszentren neu gebaut oder renoviert. So zum Beispiel das Provinzkrankenhaus in Faizabad, das durch Baumaßnahmen und eine neue Organisationsstruktur zukünftig als Referenzkrankenhaus für die Provinz Badakhshan mit etwa einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern dient, sowie zwei Distriktkrankenhäuser (Baharak und Keshim) und ein Gesundheitszentrum (Wordouj). In der Provinz Kunduz wurden das Regionalkrankenhaus Kunduz erweitert sowie in Khan Abad ein Distriktkrankenhaus neu gebaut. In Takhar wurde das Gesundheitszentrum Gala Batur erbaut, während der Neubau des 170-Betten-Provinzkrankenhauses in Taloqan 2017 fertiggestellt wurde. Alle Einrichtungen wurden mit notwendigen medizinischen Geräten ausgestattet, so z. B. Operationssälen, Röntgenbereichen und Labordiagnostik. Umfangreiche Trainingsmaßnahmen in den Bereichen Kinderheilkunde, Ernährung, Laboranalyse, technische Instandhaltung und Verwaltung wurden durchgeführt. Zu den Trainingsmaßnahmen gehörten auch „E-Health-Kurse“ der Aga Khan Foundation (AKF) in Faizabad. Zusätzlich werden im Rahmen von Distriktförderungsansätzen in den nördlichen Provinzen Takhar, Badakhshan, Baghlan und Kunduz kleinere Krankenstationen finanziert und errichtet. Seit 2009 wurden bislang insgesamt 65 Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen gebaut oder renoviert.

Mit den Infrastrukturmaßnahmen wird ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der vorwiegend armen Bevölkerung im Norden Afghanistans geleistet, deren Einwohnerzahl in den Provinzen Badakhshan, Kunduz und Takhar auf bis zu vier Millionen Menschen geschätzt wird.

Zur Bekämpfung der Polioinfektion unterstützt die deutsche Bundesregierung Afghanistan im Rahmen der Global Polio Eradication Initiative (GPEI), die in Afghanistan durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk UNICEF der Vereinten Nationen umgesetzt wird. Deutschland kofinanziert hier insbesondere die Beschaffung von Polioimpfstoffen und Kühlkettengeräten, Überwachungsaktivitäten zur Poliosituation, technische Unterstützungsmaßnahmen und Sicherheitskosten.

Übersicht

Engagement in den Provinzen Badakhshan, Balkh, Kunduz, Takhar.
Programm:
Wiederaufbau des Regionalkrankenhauses Balkh in Mazar-e Scharif sowie Neubau eines Mutter-Kind-Zentrums, Kapazitätsentwicklung für das Regionalkrankenhaus in Mazar-e Scharif, Rehabilitierung des Provinzkrankenhauses in Faizabad (Badakhshan), Rehabilitierung von Krankenhäusern und Gesundheitsstationen an sieben Standorten in den Provinzen Badakhshan, Kunduz und Takhar (u.a. Regionalkrankenhaus Kunduz und Provinzkrankenhaus in Taloqan), Unterstützung bei der Ausrottung von Kinderlähmung (Polio)
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA), Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Japanische Agentur für Internationale Zusammenarbeit (JICA), Schwedische Agentur für Internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA), Norwegische Regierung
Partner:
Afghanisches Ministerium für Öffentliche Gesundheit
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, KfW
Provinzen:
Badakhshan, Balkh, Kunduz, Takhar
Programmziel:
Aufbau eines funktionsfähigen Gesundheitssystems mit moderner Krankenhausinfrastruktur und qualifiziertem Personal, um zum zivilen Wiederaufbau des Landes beizutragen
Twitter icon
Facebook icon