Afghanistans Bodenschätze nutzen – Für eine bessere Zukunft

Für Abdul Sami Skindaray war der Besuch im Kohlebergwerk Hema in der türkischen Hafenstadt Amasra ein einschneidendes Erlebnis. Als erfahrener Bergwerkinspekteur besuchte Skindaray in seinem Heimatland Afghanistan schon etliche Bergwerke. Aber das Bergwerk Asmara an der türkischen Schwarzmeerküste war einzigartig – mit seinen weißen Stränden, felsigen Küsten und der grünen Vegetation sah es eher wie ein Touristenort aus.

Das Kohlebergwerk in Asmara ist das größte der Türkei. Trotzdem gab es seitens der türkischen Regierung nur wenige Bedenken, dass die dortige Ressourcengewinnung die Umwelt zu stark belasten könnte. Seit schweren Unfällen in der Vergangenheit unterliegt der Kohleabbau in der Türkei strengen europäischen Umwelt- und Gesundheitsrichtlinien. So wird sichergestellt, dass die Folgen für die Umwelt auf ein Minimum reduziert werden. Skindaray erklärt begeistert: „Verglichen mit Afghanistan ist der Kohleabbau in der Türkei wesentlich transparenter und umweltfreundlicher. Keine Korruption – die Einnahmen fließen dem Staat zu.“ Seine Erfahrungen wird Skindaray zukünftig in Afghanistan anwenden. Er möchte die afghanischen Behörden unterstützen, eine Strategie für den Kohleabbau in Afghanistan zu entwickeln, die sich an internationalen Standards orientiert.

Dank der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH erhielt Skindaray zusammen mit 19 anderen Geologen und Ingenieuren des afghanischen Ministeriums für Bergbau die Möglichkeit, an einem intensiven zweimonatigen Training in der Türkei teilzunehmen, das sich an eine Ausbildungsreihe in Afghanistan anschloss.

Für Afghanistan ist die effektive Nutzung seiner natürlichen Ressourcen ein Schlüsselfaktor für einen erfolgreichen Wiederaufbau. Die mehr als 1.400 ungenutzten Mineralvorkommen sind Schätzungen zufolge mehrere Billionen Dollar wert. Der Bergbau hat das Potential, treibende Kraft für den wirtschaftlichen Aufschwung Afghanistans zu sein – mit vielzähligen Arbeitsplätzen.

Damit diese Vision Wirklichkeit wird, muss Afghanistan seine Bergbauindustrie reformieren. Die bestehende Bergbaupolitik hemmt Investitionen, statt sie zu fördern. Außerdem wird die aktive Industrie in weiten Teilen kaum reguliert und kontrolliert. Ein Großteil der Einnahmen kommt dem Staat gar nicht zu Gute. Darüber hinaus kommen aufgrund der mangelhaften, ineffizienten und teils gefährlichen Abläufe jedes Jahr hunderte Arbeiter durch Unfälle und Explosionen ums Leben. Die Folgekosten für entstandene Umweltschäden sind kaum abschätzbar.

Mohammad Abbas, Ingenieur des afghanischen Ministeriums für Bergbau und Teilnehmer des Trainings, besuchte vor drei Monaten Kohleminen im Distrikt Dar-i-Suf in der nordafghanischen Provinz Samangan. Er berichtet, dass die Lage hier besonders kritisch sei: „Viele Minenarbeiter haben begonnen, unkontrolliert Löcher zu graben, um an die Kohle zu kommen. Dadurch wird die Kohle aus vielen verschiedenen Richtungen angeschlagen, wodurch der Mine und ihren Ressourcen ein unwiderruflicher Schaden zugefügt wird.“

Abbas erklärt weiter, dass es Afghanistan an einem strukturierten System für den Kohleabbau fehlt. „Private Firmen machen große Gewinne. Auch damit ist es bald vorbei.  Sie investieren nichts und schädigen stattdessen die Umwelt für ihren illegitimen Profit. Bergbauminen  sind aber nur auf lange Sicht profitabel, wenn Investitionen getätigt werden. Die afghanischen Firmen versuchen jedoch vom ersten Tag an, Gewinn zu machen.“

Im GIZ Training in der Türkei ging es um die Prozesse der Bergbauindustrie. So wurden neben zahlreichen Besichtigungen von Minenanlagen Fachthemen wie Konstruktionstechniken, Bergwerkplanung und -schließung, moderne Abbau- und Umwelttechnologien, Software, Sozialstandards im Bergbau, Bergrecht und -verwaltung sowie -wirtschaft mit internationalen Experten der Bergakademie der Technischen Universität Freiberg, der Istanbul Technical University und der türkischen Bergbaubehörde besprochen. Aufbauend auf technischen Trainings in Afghanistan, bildete das Ausbildungsprogramm in der Türkei den Abschluss des sogenannten Train-the-Trainer Programms.

Bostan Ali, ein weiterer Teilnehmer des Trainings formulierte es so: „Unsere Minen in Afghanistan sind nicht reguliert und unsere Maschinen sind veraltet. In der Türkei haben wir dagegen große Minen und neue Technologie vorgefunden.“

Das Training wurde von der Istanbul Technical University durchgeführt und von deutschen Professoren der Universität Freiberg begleitet, die den Teilnehmern in Seminaren und Exkursionen neues Wissen über internationales Bergrecht, Bergwirtschaft, Bergaufsicht und Vertragsmanagement vermittelten.

Die Teilnehmer des Trainings freuen sich nun darauf, ihr neu erlangtes Wissen in Afghanistan umzusetzen, wo das Bergwesen noch immer recht rudimentär abläuft. Zum Beispiel sind die Teilnehmer gespannt darauf in Afghanistan die Softwaretechnologie einzuführen, die genutzt wird, um Zugang zum Lager einer Mine zu erlangen, die Minen und Mineralien zu analysieren und den dortigen Abbau angemessen zu planen.

Hamdard Mirwais, Berginspektor und Ingenieur, betonte, dass es notwendig sei, dass Minenarbeiter in Afghanistan die modernen Technologien übernehmen: „In Afghanistan wird die Kohle tief aus der Erde gewonnen. Die Befestigungen Untertage bestehen nur aus Holz und werden nicht überprüft. Die beste Befestigung wäre aber ein ‚Roof Bolt‘-System, das wir in der Türkei kennen gelernt haben. Diese Art von Deckenverankerungen wird in Afghanistan noch nicht praktiziert. “ Mirwais erklärt weiter: „Ein Bergwerk in der Türkei kann an einem Tag 5.500 Tonnen Kohle produzieren. Das ist in Afghanistan bisher unvorstellbar.“

Den Geologen und Ingenieuren, die am Training teilgenommen haben, ist bewusst, dass der Bergbauindustrie in Afghanistan noch ein langer Weg bevorsteht. Moderne Technologien und neues Equipment erfordern große Investitionen, die nicht von heute auf morgen möglich sind.

Trotzdem sind die Teilnehmer optimistisch, dass die Regierung den Prozess durch eine strikte Bergbaupolitik einleiten wird, die den Verlust von Menschenleben und mineralischen Ressourcen verhindert. Trotz der bestehenden Bergbaupolitik in Afghanistan ist die Industrie in weiten Teilen zu wenig reguliert – hunderte Arbeiter kommen jedes Jahr durch Unfälle und Explosionen ums Leben.

Abbas, Ingenieur des afghanischen Ministeriums für Bergbau, verdeutlicht: „Auch wir möchten in Afghanistan ein richtiges Bergbausystems aufbauen, an das sich jeder hält.“

Für Abbas ist ein weiteres zentrales Thema die Schließung von Minen. In Deutschland müssen die Bergbaufirmen nach der Schließung der Zeche das Abbaugebiet in ein Erholungsgebiet oder einen Wasserspeicher für die landwirtschaftliche Nutzung umbauen.

Afghanistan könnte diese Bestimmungen übernehmen, um die Umwelt zu schützen.

Die Gesundheit der Arbeit ist ebenfalls ein wichtiges Thema. „In der Türkei braucht jeder Bergbauarbeiter die Erlaubnis eines Betriebsarztes, um in der Mine arbeiten zu dürfen. Voraussetzung sind außerdem geeignete Schuhe, Kleidung und Brillen“, sagt Skindaray. „In Afghanistan kümmern sich die privaten Unternehmen nicht um die Gesundheit ihrer Arbeiter. Das Training hat uns die Wichtigkeit dieser Themen verdeutlicht. Nach unserer Rückkehr nach Afghanistan werden wir diese Themen noch ernster nehmen, auf ihrer Umsetzung bestehen sowie unsere Kollegen in den Provinzen weiterbilden.“

Die Bergbauindustrie in Afghanistan steht vor vielen Herausforderungen, um seine natürlichen Ressourcen bestmöglich zu nutzen. Das Training für afghanische Geologen und Ingenieure in der Türkei war ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung. 

Veröffentlichung: 09/2016
Programm: Förderung guter Regierungsführung im Rohstoffsektor Afghanistans
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Afghanisches Ministerium für Bergbau
Durchführungsorganisation: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen: Kabul
Programmziel: Transparenz und Kontrolle der Bergbauindustrie sollen helfen, staatliche Einnahmen zu regulieren, Investitionen zu fördern und Korruption langfristig zu bekämpfen.
Gesamtlaufzeit: Mai 2013 – August 2018
 
Jetzt,nach dieser Fortbildung, werden wir, wenn wir in die Bergwerke für die Inspektion gehen, die Frage des Gesundheitsschutz ernst nehmen und auf seiner Umsetzung bestehen.
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