Energie ebnet Entwicklung den Weg

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint auf die Wüste in der Nähe der Stadt Khulm in der Provinz Balkh im Norden Afghanistans. Plötzlich erscheinen wie aus dem Nichts Stromleitungen, Transformatoren und Masten. Ein modernes Umspannwerk erwartet den Besucher. Es verwandelt die eingehende Hochspannung aus den Überlandleitungen von 220 Kilovolt in 20 Kilovolt. So ist es möglich, die elektrische Energie verlustarm in die umliegenden Städte und Dörfer zu transportieren.

Mohammad Aman Spar ist stellvertretender Direktor des Energieversorgers DABS in der Provinz Balkh. Er erinnert sich noch gut an die Zeit, bevor das neue Umspannwerk im April 2016 ans Netz ging: „Mit einer 20 Kilovoltleitung kann man Energie über eine Strecke von 20 bis 30 Kilometern übertragen. Wir mussten in der Vergangenheit den Distrikt Khulm jedoch über eine 55 Kilometer lange Leitung versorgen. Ständig gab es extreme Spannungsschwankungen – mal war die Spannung so hoch, dass den Leuten die elektrischen Geräte kaputt gingen. Dann war sie so gering, dass viele Maschinen und Apparate gar nicht mehr funktionierten.“

Die sichere Energieversorgung ist kein Luxusgut. Ohne sie können Unternehmen nicht produzieren, die Pumpen von Trinkwasserbrunnen oder Wasserversorgungswerken nicht arbeiten, Kühlschränke in Lebensmittelgeschäften funktionieren nicht. Die extremen Spannungsschwankungen lähmten die wirtschaftliche Entwicklung der Region und machten Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden das Leben schwer, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit ohne Licht über ihren Büchern saßen.

Mit dem neuen Umspannwerk gehören diese Schwierigkeiten für die Menschen in dem Bezirk Khulm der Vergangenheit an. Die Bundesregierung hat mit einem Volumen von 6,3 Millionen Euro den Bau des Werkes finanziert. Siemens hat das Werk gebaut, Projektträger ist das afghanische Ministerium für Energie und Wasser. Spar erklärt zufrieden: „Drei Freileitungen führen aus dem Werk in die Stadt Khulm und ihre unmittelbare Umgebung. Wir haben aus eigenen Mitteln noch zwei zusätzliche Leitungen errichtet, mit denen wir einen Teil der Stadt Khulm abdecken und sogar einige Verbraucher in Mazar-e Sharif mit Strom versorgen.“

Um die Stromversorgung auf solide Beine zu stellen, finanziert die Bundesregierung mit rund 8,5 Millionen Euro darüber hinaus zwei neue Stromverteilungsnetze für die Städte Khulm und Pir Naghchir. Sobald diese fertiggestellt sind, werden sie ebenfalls an das neue Umspannwerk angeschlossen.

Spar blickt optimistisch in die Zukunft: „Strom ebnet den Weg für Entwicklung. Ohne Elektrizität ist das Leben schwer. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir in Khulm mit dem neuen Werk und den Verteilernetzen einen großen Schritt voran kommen.“ 

Veröffentlichung: 09/2016
Programm: Netzanbindung nördliche Städte und Gemeinden in Afghanistan (NEPS I und II) 
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Ministerium für Energie und Wasser Afghanistan bzw. Nationaler Stromversorger Afghanistan (Da Afghanistan Breshna Sherkat, DABS) 
Durchführungsorganisation: KfW
Provinzen: Balkh, Samangan
Programmziel: Bereitstellung einer zuverlässigen und qualitativ angemessenen Elektrizitätsversorgung an bisher unzureichend versorgten Standorten im Norden Afghanistans.
Gesamtlaufzeit: August 2010 – Dezember 2019
 
Strom ebnet den Weg für Entwicklung. Ohne Elektrizität ist das Leben schwer.
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