Kleinwasserkraft – mehr als nur Energie

2010 unterstützte die Bundesregierung den Bau eines Kleinwasserkraftwerkes im Dorf Farghambol in der Provinz Badakhshan im Norden Afghanistans. 280 Kilowatt versorgen nun 20.000 Menschen mit elektrischer Energie. Das Leben für die Menschen hat sich seitdem verändert.

Mit dem Bau des Kleinwasserkraftwerkes steht den Anwohnerinnen und Anwohnern  neben Strom für Licht, Kühlschränke, Fernsehgeräte, Radio und elektrisch angetriebene Maschinen auch Wasser zur Verfügung. Aus dem Überlauf des Kraftwerkes können sie nun das kostbare Nass in ihr Dorf leiten und so Felder, Gärten und Obstbäume bewässern. 2010 gab es weder Gärten noch Bäume in Farghambol. Das Wasser musste mühsam aus dem Fluss zu den Häusern getragen werden – für die Bewässerung von Pflanzen hat es nicht gereicht.

Da die Bewässerung nun kein Problem mehr war, sah Saeed Rahim Anfang 2011 die Chance, endlich einen Obst- und Baumgarten anzulegen. Gemeinsam mit seinem Bruder Qader Khan pflanzte er auf 1,200 m2 91 Obst- und 730 Nutzholzbäume an. Der Erfolg beflügelte Rahim: „Wir haben gesehen, wie gut die Bäume wachsen und gedeihen. Deshalb habe ich 2014 noch drei weitere Baumpflanzungen angelegt, mit insgesamt knapp 1,600 m2. Unser Boden ist sehr fruchtbar, die Bäume gedeihen selbst ohne Dünger wunderbar.“ Neben seinen Bäumen hat Rahim auch ein Tomatenfeld auf gut 140 m2 angelegt, das ihm reichlich Ernte beschert.

Obst, Gemüse und Holz bieten in Farghambol eine gute Einnahmequelle. Der Holzeinschlag in den umliegenden Bergen ist inzwischen gesetzlich verboten und Früchte sind eine heiß begehrte Ware. Immer mehr Einwohnerinnen und Einwohner, auch aus umliegenden Dörfern, haben die Perspektiven der Aufforstung erkannt. Rahim ist sehr zufrieden: „Früher war hier nur nicht bewirtschaftetes Brachland zu sehen – oder Mohnfelder. Heute sieht man Gärten und Bäume soweit das Auge reicht. Alle Dorfbewohner sind stolz auf diesen Wandel und den haben wir dem Kleinwasserkraftwerk zu verdanken.“

Khan gibt noch einen anderen Aspekt zu bedenken, der aus seiner Sicht neben dem verfügbaren Wasser der Schlüssel zum Erfolg war: „So wie viele andere Familien auch, haben wir uns mit dem Einzug der Elektrizität einen Fernseher gekauft. Besonders im Frühling bringen viele Sender Informationen zur Wiederaufforstung. Wir haben durch diverse Sendungen gelernt, welche Möglichkeiten Obstplantagen bieten und welch positiven Einfluss die Aufforstung auf die Umwelt hat. Das hat mich und viele andere motiviert, den Schritt zur Obst- und Holzwirtschaft zu wagen.“

Das Kleinwasserkraftwerk zeigt Wirkung: Auf Initiative der Dorfbewohner hat sich das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen bereiterklärt, sie bei dem Bau eines Bewässerungskanals in einem Food for Work Programm zu unterstützen. So gelangt das Wasser aus dem Überlauf des Kraftwerkes zu drei Nachbardörfern, die bislang ihre Felder nicht bewässern konnten.

Rahim lässt seine Blicke schweifen: „Die Landschaft bei uns verändert sich, sie wird immer grüner. Wir schaffen uns eine solide, legale Lebensgrundlage und generieren Einkommen. Davon profitieren wir und vor allem unsere Kinder.“

Veröffentlichung: 11/2017
Programm: Institutionenförderung für Energie in Afghanistan (IDEA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Ministerium für Energie und Wasser Afghanistan, Nationaler Stromversorger Afghanistan (Da Af- ghanistan Breshna Sherkat - DABS)
Durchführungsorganisation: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen: Balkh, Samangan, Kunduz, Takhar, Badakhshan, Kabul
Programmziel: Kapazitäten der verschiedenen Stakeholder in Politik und Wirtschaft sowie auf National-  und Provinzebene stärken.
Gesamtlaufzeit: Januar 2015 – Juni 2018
 
Die Landschaft bei uns verändert sich, sie wird immer grüner.
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