Mentoring in der Schule: Für einen besseren Unterricht

Voller Enthusiasmus hat Gita vor drei Jahren als frisch gebackene Lehrerin an einer Schule in Mazar-e Sharif in der Provinz Balkh begonnen. Nach ihrer Ausbildung zur Mathelehrerin am Lehrerausbildungsinstitut war sie fest entschlossen, ihren Schülerinnen und Schülern eine bessere Zukunft durch guten Unterricht zu ermöglichen.

Doch nach wenigen Wochen kam die Ernüchterung, erinnert sich Gita: „Der Klassenraum ist sehr klein und die Zahl der Schulkinder sehr hoch. Einige lernen unheimlich schnell, mit anderen muss ich den Stoff zig Mal wiederholen, damit etwas hängen bleibt. Diese Kinder lernen nicht rechnen, wenn ich es ihnen nur ein- oder zweimal erkläre. Auf diese Schwierigkeiten war ich überhaupt nicht vorbreitet und kam damit nicht so richtig klar.“

Die Frustration nahm bei der jungen Frau immer mehr zu. Im vergangenen Jahr hat die Dari-Lehrerin Muhmena das Mentoring von Gita übernommen. Muhmena ist eine gestandene Lehrerin mit zehn Jahren Berufserfahrung. Sie kann den Frust ihrer jungen Kollegin sehr gut verstehen, denn auch sie hatte als Berufsanfängerin mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Als ihr Schulleiter sie bat, an der Ausbildung zur Mentorin teilzunehmen, hat sie begeistert zugestimmt: „Die Sorgen und Nöte der Berufsunerfahrenen waren mir natürlich vertraut. In der Mentorenausbildung habe ich jedoch gelernt, wie ich die jungen Leute anleiten kann. Wir haben darüber gesprochen wie wichtig es ist, erst einmal eine Vertrauensbasis zu den Neuen herzustellen, ihnen Mut zu machen und für sie da zu sein.“ Mehr als 150 Lehrkräfte nahmen bislang an der fünftägigen Ausbildung teil. Muhmena lernte dort, wie sie mit ihren jungen Kolleginnen über einzelne Unterrichtsstunden diskutieren und diese mit ihnen gemeinsam reflektieren kann. Sie besucht immer mal wieder eine Unterrichtsstunde, wenn ihre Schützlinge sie um Rat bitten. Gemeinsam betrachtet sie die Stunde anschließend mit ihnen und bespricht, was gut gelaufen ist und warum anderes nicht so gut geklappt hat, wie es sollte. Die versierte Lehrerin stellt klar: „Ich sage nicht, das ist richtig oder falsch, sondern wir erarbeiten die Schwachpunkte gemeinsam. Ich denke, dass ich auf diese Weise meine Erfahrung vermitteln kann und aus den Berufsanfängerinnen schnell richtig gute Lehrerinnen werden.“

Seit 2005 unterstützt die Bundesregierung Afghanistan darin, die Grundbildung zu reformieren und zu verbessern. Das Mentoringprogramm ist Teil dieser Zusammenarbeit. Gestandene Lehrkräfte stehen hier ihren jungen Kolleginnen und Kollegen sachkundig zur Seite. Frisch aus der Ausbildung kommend fehlt ihnen die praktische Erfahrung. Sie wissen nicht, wie sie ihre Stunden richtig vorbereiten, wie sie mit störenden Kindern umgehen sollen oder ihre Schulkinder motivieren können. „Mit uns Mentoren haben die Berufsunerfahrenen eine Vertrauensperson an ihrer Seite und durchbrechen damit das Gefühl, ganz allein vor einem riesigen Berg an Herausforderungen zu stehen. Uns können sie alles fragen“, bekräftigt Muhmena. Nach anfänglicher Unsicherheit hat Gita zu Muhmena vollstes Vertrauen. Schnell hat die junge Frau gemerkt, dass nicht nur sie nicht weiß, wie die Verwaltungsvorgänge an der Schule laufen, was alles in eine ordentliche Stundenvorbereitung gehört, welche didaktischen Methoden sich wann am besten eigenen – die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen. Ganz normal, findet Muhmena: „In der Ausbildung ist alles graue Theorie. Wie man Schülerinnen und Schüler beobachtet, bewertet, ihre Lernbegeisterung weckt, das lernt man eben nicht in der Ausbildung. Dazu braucht es Erfahrung. Deshalb finde ich es toll, dass ich diese Erfahrung mit den jungen Lehrerinnen teilen darf.“

Mindestens zweimal in der Woche holt Muhmena ihre vier Schützlinge zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen, denn neben Gita betreut sie noch drei weitere junge Lehrerinnen. Dann tauschen sich die Frauen untereinander aus, besprechen ihre Schwierigkeiten und suchen nach Lösungen. Zufrieden blickt Gita auf die vergangenen Monate des Mentorenprogramms zurück: „Wenn ich irgendwelche Fragen oder Probleme habe, kann ich immer zu Muhmena gehen, auch außerhalb unserer festen Zusammenkünfte. Bisher hat sie mir immer helfen können. Toll ist aber auch, dass ich über das Programm die anderen Kolleginnen, die Muhmena betreut, richtig gut kennengelernt habe. Wir haben eine super Beziehung zueinander und helfen uns oft gegenseitig.“

 

Veröffentlichung: 02/2018
Programm: Förderung der Grund- und Sekundarbildung in Afghanistan (BEPA) 
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Partner: Ministerium für Bildung Afghanistan
Durchführungsorganisation: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen: Badakhshan, Balkh, Kunduz, Samangan, Takhar, Kabul
Programmziel: Rahmenbedingungen für eine verbesserte Qualität in der Grund- und Sekundarbildung schaffen.
Gesamtlaufzeit: Juni 2005 – Oktober 2019

 

Mit uns Mentoren haben die Berufsunerfahrenen eine Vertrauensperson an ihrer Seite und durchbrechen damit das Gefühl, ganz allein vor einem riesigen Berg an Herausforderungen zu stehen.
Twitter icon
Facebook icon
More stories in this sector