Qualifizierte Frauen für Schlüsselpositionen

Afghanistan gilt noch immer als eines der am wenigsten friedvollen Länder der Welt – auch nach mehr als 15 Jahren seit dem Sturz der Taliban. Dennoch wurden durch die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft seit 2001 bei der Verbesserung des sozialen und ökonomischen Status afghanischer Frauen beträchtliche Fortschritte erzielt.

Das kleine Regierungsbüro wirkt düster, doch die Stimmung hellt sich schlagartig auf, als eine große, anmutige Frau mit ansteckendem Lächeln auf den Lippen den Raum betritt. Der 33-jährigen Wazhma Ghani, Beamtin im afghanischen Ministerium für Bergbau und Petroleum (MoMP), haftet die natürliche Aura einer Führungspersönlichkeit an. „Es ist ein laufender Prozess“, sagt sie hinsichtlich ihrer Hauptaufgabe, die Gleichstellung von Männern und Frauen voranzutreiben.

Als eine von 14 Frauen der Abteilung für Geschlechterangelegenheiten des MoMP wurde Ghani im Rahmen des Programms zur Förderung guter Regierungsführung im Rohstoffsektor der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan für ein vierjähriges Masterstudium an der Mashal Universität in Kabul ausgewählt. Die Initiative zielt darauf ab, dem Ministerium durch die Koordinierung und finanzielle Förderung von kurz- und langfristigen Bildungsprogrammen für Frauen zu helfen, kompetente weibliche Angestellte auszubilden, die in der Lage sind, anspruchsvolle technische und administrative Aufgaben zu bewältigen.

Ghani, selbst bereits in ihrem dritten Studienjahr, sagt, dass sie durch das Hochschulprogramm gelernt habe, wie sie ihre Aufgaben professionell erfüllen kann. Die Abteilung für Geschlechterangelegenheiten des MoMP untersucht Fälle geschlechtsspezifischen Missbrauchs und Ungleichheit in verschiedenen Abteilungen, Projekten und Maßnahmen des Ministeriums. Außerdem zielt die Abteilung darauf ab, die Fähigkeiten von Frauen zu erweitern und Schlüsselpositionen für sie zu schaffen.

„Früher haben wir Fälle geschlechtsspezifischen Missbrauchs und Belästigung aus Verwaltungssicht  behandelt. Jetzt gehen wir juristisch dagegen vor“, sagt sie und fügt hinzu, dass sie jetzt alle relevanten Gesetze zu dem Thema kenne.

Wenn heute eine Beschwerde die Abteilung erreicht, arbeitet das Team nach gründlicher Recherche zum Thema und Rücksprache mit allen Beteiligten einen Bericht aus. So werden alle relevanten Informationen und Details gebündelt.

"Sobald wir alle Details zusammengefasst haben, senden wir den Bericht mit allen relevanten Dokumenten an die Ministerin", beschreibt Ghani den Vorgang. "Im letzten Fall bestritt der Angeklagte den Missbrauch des Opfers bis zuletzt, aber wir hatten genug Unterlagen und Beweise", verkündet sie stolz. Sie enthielten Nachrichten und einen Brief mit der Unterschrift des Täters. "Wir haben den Fall gewonnen ... die Ministerin hat die Entscheidung persönlich bestätigt. Die schuldige Person wurde letztendlich bestraft."

Afghanistan hat 2003 das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau anerkannt. Die Verfassung des Landes von 2004 besagt, dass alle Bürger vor dem Gesetz die gleichen Rechte und Pflichten haben. Das Land sieht sich jedoch nach wie vor mit vielen Herausforderungen konfrontiert, wenn es darum geht, berufliche Möglichkeiten für Frauen zu schaffen – nicht nur im MoMP, sondern überall.

Zum Beispiel hat das Bestreben des Ministeriums, professioneller zu arbeiten, die Chancen für Frauen teilweise auch eingeschränkt. Jetzt sei ein Bachelor-Abschluss für höhere Positionen erforderlich, sagt Ghani. „Das Bildungsniveau der Frauen ist sehr niedrig. Sie haben oftmals keinen Zugang zu Hochschul- und Universitätsausbildung“, sagt sie. „Daher bleibt die Rolle der Frau bei Entscheidungsfindungen sehr begrenzt.“

Während 195 Frauen für das MoMP in Kabul arbeiten, sei die Zahl der weiblichen Angestellten in den Provinzen gering, erklärt Ghani. Um dies zu ändern und mehr Frauen im ganzen Land Zugang zu qualifizierter Arbeit zu verschaffen, müssen die politischen Entscheidungsträger viel mehr tun. Daher hofft Ghani, dass Organisationen wie die deutsche Zusammenarbeit mit Afghanistan ihre Unterstützung für Maßnahmen zur Stärkung von Frauen fortsetzen werden.

Veröffentlichung: 08/2017
Programm: Förderung guter Regierungsführung im Rohstoffsektor Afghanistans
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Afghanisches Ministerium für Bergbau
Durchführungsorganisation: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen: Kabul
Programmziel: Transparenz und Kontrolle der Bergbauindustrie sollen helfen, staatliche Einnahmen zu regulieren, Investitionen zu fördern und Korruption langfristig zu bekämpfen.
Gesamtlaufzeit: Mai 2013 – August 2018
 
 
Früher haben wir Fälle geschlechtsspezifischen Missbrauchs und Belästigung aus Verwaltungssicht behandelt. Jetzt gehen wir juristisch dagegen vor.
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