Stabile Energieversorgung macht den Unterschied

Staub liegt in der Luft. Von den Bergen senken sich Nebelschwaden auf die lehmfarbenen Hänge, lassen immer wieder die sich unermüdlich dahinschlängelnde Stromleitung verschwinden.

Über 45 Kilometer trägt die 20 Kilovolt-Leitung Energie von dem Umspannwerk aus Mazar e-Sharif im Norden Afghanistans bis in den abgelegenen Distrikt Marmol, mitten in den Bergen. Acht Transformatoren regeln die Spannung auf 230Volt herunter. 18 Kilometer Niedrigspannungsleitung bringen die Energie schließlich zu den Familien, die jetzt endlich an das öffentliche Stromversorgungsnetz angeschlossen sind. Mohammad Nasim Ganji ist Leiter des nationalen Stromversorgers Da Afghanistan Breshna Sherkat in der Provinz Balkh und für den Distrikt Marmol verantwortlich. Er blickt zurück: „Das neue Stromversorgungsnetz arbeitet nach internationalen Standards. Viele unserer Stromleitungen sind alt und erodiert. Das führt zu hohen Stromverlusten und Ausfällen, vor allem bei Regen und Sturm. Diese Probleme haben wir bei dem neuen Versorgungssystem überhaupt nicht.“ Bis zu 1300 Familien kann das Versorgungsnetz in Marmol in seiner derzeitigen Ausbaustufe bedienen.

Um die Stromversorgung für Marmol aufzubauen, hat die KfW im Auftrag der deutschen Bundesregierung 2,5 Millionen Euro investiert. 2014 begannen die Bauarbeiten, 2018 kam der Strom bei den Einwohnern der entlegenen Bergregion aus der Steckdose.

Für Mohammad Ishaq, einer der Bewohner von Marmol, ist die stabile Energieversorgung ein Segen. Viele Probleme des Distrikts gehören nun der Vergangenheit an. „Wir hatten Solarpanels, aber sobald es bewölkt war, haben die Pumpen nicht mehr gearbeitet, die das Trinkwasser fördern. Wir konnten keine Nachrichten empfangen, die Kinder mussten oft bei dem Licht von Kerosinlampen lernen“, erinnert er sich. Heute fördern Pumpen das Trinkwasser aus dem Brunnen in einen Vorratsbehälter, aus dem sich die Bevölkerung jederzeit bedienen kann. Jeden Tag gibt es frisches Brot, denn der Ofen in der Bäckerei geht nicht mehr aus. Oft sind es laut Ishaq die kleinen Dinge, die die Annehmlichkeiten ins Leben bringen: „Wir können im Fernseher die Nachrichten verfolgen und wissen, was in unserem Land passiert. Unsere Mobiltelefone laden an der Steckdose und unsere Jugend nutzt inzwischen Computer, das Internet und steht mit dem Rest der Welt in Verbindung. Das alles macht einen großen Unterschied.“

Bevor die elektrische Energie Einzug in den Distrikt Marmol hielt, lebten die Menschen völlig abgeschieden. Informationen zum Beispiel über Impfkampagnen und gesundheitliche Aufklärung kamen nicht bei ihnen an. Der Impfspezialist Dr. Mohammad Ismail des Märtyrer Zabihollah Krankenhauses beobachtet eine grundlegende Veränderung im Verhalten der Bewohner: „In der Vergangenheit haben sich die Menschen hier um gesundheitliche Vorsorge nicht gekümmert. In der Folge war die Sterblichkeit von Kindern und Müttern sehr hoch. Jetzt ist das Gesundheitsbewusstsein deutlich gestiegen, denn die landesweiten Aufklärungskampagnen im Fernsehen zur Gesundheitsvorsorge und Impfungen dringen bis zu den Leuten vor.“

Auch die Bildung in Marmol profitiert. Gerade an kurzen Wintertagen war Unterricht in der kleinen Schule des Distrikts nur eingeschränkt möglich. Es war einfach zu dunkel. Mit elektrischem Licht können die Schülerinnen und Schüler nun das ganze Jahr über auf das Leben vorbereitet werden.

Einen weiteren positiven Aspekt bringt Gouverneur Fazloddin Khorrami Jesur ins Spiel: „Licht in den Häusern sorgen für mehr Sicherheit. In der Dunkelheit sieht niemand, wenn etwas passiert, doch Licht schreckt Kriminelle ab.“ Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region profitiert von mehr Sicherheit und der Stromversorgung. Bewässerungspumpen für die Landwirtschaft und den Gemüse- und Obstanbau funktionieren, die Erträge steigen und so entstehen Arbeitsplätze. Die Bewohner des Distrikts setzen darauf, dass ihre Region mit Produkten aus der Landwirtschaft auch für Investoren interessanter wird und der Handel floriert.

 

Veröffentlichung: 04/2019
Programm: Netzanbindung nördliche Städte und Gemeinden in Afghanistan (NEPS)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ)
Partner: afghanisches Ministerium für Energie und Wasser, Nationaler Stromversorger Afghanistan (Da Afghanistan Breshna Sherkat, DABS)
Durchführungsorganisation: KfW
Provinzen: Balkh, Samangan
Programmziel: Bereitstellung einer zuverlässigen und qualitativ angemessenen Elektrizitätsversorgung an bisher unzureichend versorgten Standorten im Norden Afghanistans.
Gesamtlaufzeit: August 2010 – Juli 2020

 

Wir können im Fernseher die Nachrichten verfolgen und wissen, was in unserem Land passiert.
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