Vom Kleinunternehmer zum Großlieferanten

Nähmaschinen wohin der Blick auch schweift, fleißige Hände, die geschickt Stoffe zuschneiden, mit Nadel und Faden hantieren und Stoffballen in Schuluniformen, Anzüge oder Kittel für Krankenhauspersonal verwandeln.

Das Geschäft von Ali Dad brummt: „Ich habe inzwischen sieben Produktionsstätten in sieben Provinzen. So kann ich 415 Männern und Frauen einen Arbeitsplatz und ein Einkommen bieten.“ Der rührige Unternehmer ist zu Recht stolz auf seinen Erfolg, denn vor zehn Jahren hätte er sich selber diese Entwicklung nicht träumen lassen. 1996 flüchtete der junge Ali Dad mit seiner Familie in den Iran. Dort ging er bei einem Schneider in die Lehre und entdeckte sein Talent für das Handwerk. Er spezialisierte sich auf die Konfektion von Anzügen und konnte damit seine Familie ernähren. Nach dem Zusammenbruch des Talibanregimes zog es den Familienvater jedoch immer stärker in seine Heimat zurück. 2006 beschlossen seine Frau und er, das Wagnis eines Neubeginns in Kabul einzugehen. 5000 US-Dollar hatte sich Dad zuvor zusammengespart. Dieses Geld war sein Startkapital für eine eigene kleine Schneiderei, die er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern eröffnete. „Zu unserer großen Freude lief der Laden von Anfang an richtig gut und wir konnten sofort erste Gewinne erzielen“, blickt Dad zurück. Der Gedanke zu expandieren drängte sich auf, doch dafür benötigte der junge Mann zusätzliches Geld.

Die Chance bot sich ihm durch die Darlehen, die die First MicroFinance Bank (FMFB) an Unternehmer vergibt. Um den Zugang zu Finanzierung für kleine und mittlere Unternehmen zu verbessern, unterstützt die Bundesregierung die Stiftung „Afghan Credit Guarantee Foundation“ (ACGF). Sie übernimmt in Afghanistan Kreditgarantien in risikoreichen Kontexten und berät afghanische Partnerinstitutionen wie Banken und Mikrofinanzunternehmen. Mit einem ersten von der ACGF garantierten Darlehen von 20.000 US Dollar konnte der Schneider durchstarten. Als erstes vergrößerte er seine Produktionsstätte, führte eine Inventar-Überwachungs-Software ein und stellte neue Mitarbeitende ein. Der Erfolg in Kabul ermutigte ihn, weitere Geschäftsstellen in sechs Provinzen zu gründen. Zwei weitere Kredite machten es möglich und die Auftragsbücher sind an allen sieben Standorten voll. Dad ist mit dieser Entwicklung sehr zufrieden: „Ich konnte Verträge mit lokalen Unternehmen, Krankenhäusern und Schulen schließen. Für die produziere ich Mitarbeiterbekleidung und Uniformen für die Schüler.“

Durch die langen Jahre der bewaffneten Konflikte hatte auch die afghanische Textil- und Bekleidungsindustrie stark gelitten und brach ein. Menschen wie Dad können die entstandene Lücke mit ihren Unternehmen ein kleines Stück schließen. Für den Unternehmer ist das Ende der Fahnenstange noch keinesfalls erreicht. Schon schmiedet er neue Pläne: „Ich möchte noch eine zweite Produktionsstätte in Kabul eröffnen und künftig auch in die Nachbarländer exportieren.“ Seinen Erfolg verdankt er zweifellos der Finanzspritze durch die Kredite. Doch mit dem Geldfluss allein war es seiner Überzeugung nach nicht getan. „Der finanzielle Spielraum hat mir meine Expansion ermöglicht. Doch mein florierendes Geschäft funktioniert heute nur, weil ich gelernt habe, die alltäglichen Herausforderungen zu bewältigen“, bekräftigt er lebhaft.

Veröffentlichung: 03/2018
Programm: Afghan Credit Guarantee Foundation
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Weltbank
Durchführungsorganisation: KfW
Programmziel: Die afghanische Kreditgarantiestiftung (Afghan Credit Guarantee Foundation – ACGF) ist eine wohltätige Stiftung mit Sitz in Köln. Die Aufgabe von ACGF ist es, den Zugang zu Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen in Afghanistan zu erleichtern, indem sie Kreditgarantien vergibt und afghanische Partner unterstützt. Diese beinhalten Banken sowie Mikrofinanz- und Mikroeinlageninstitutionen. Bisher hat die Stiftung über 5.000 Einzelkredite mit einem Volumen von 200 Millionen Euro vergeben. Seit ihrer Gründung 2014 bis Ende 2017 hat ACGF so die Schaffung von mehr als 9.500 Arbeitsplätzen und die Bewahrung von über 52.000 bestehender Stellen in Afghanistan unterstützt. Die Vorgängerin der Stiftung, die Kreditgarantiefazilität für Afghanistan (Credit Guarantee Facility for Afghanistan – CGF-A) wurde 2005 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick-  lung (BMZ) und der Agentur für internationale Entwicklung der Vereinigten Staaten (USAID) gegründet. Seit März 2017 unterstützt ACGF außerdem das Projekt Afghanistan Access to Finance der Weltbank.
 
Der finanzielle Spielraum hat mir meine Expansion ermöglicht.
Twitter icon
Facebook icon
More stories in this sector