Wasser: Quell des Lebens

Bewässerungskanäle in Baghlan ermöglichen höhere Ernten
Zufrieden schaut Mahsel auf die Wassermassen, die sich aus dem Fluss in den neuen Baladory-Bewässerungskanal ergießen. Das Bewässerungssystem beginnt im Dorf Shamaq in der Provinz Baghlan und erstreckt sich 22 Kilometer weit flussabwärts. 5.000 Bauern mit insgesamt 8.000 Hektar Land sind von dem Kanal abhängig. Mahsel, als der von den Bauern gewählte Wassermanager, trägt die Verantwortung dafür, dass jede Familie genügend Wasser für eine gute Ernte erhält. Mahsel hat ein traditionelles Amt inne, das des Mirab. Seit mehreren Hundert Jahren sind die Mirab für die gerechte Verteilung des lebensspendenden Nass zuständig. Bis vor einem Jahr war das eine unlösbare Aufgabe für Mirab Mahsel: „Seit zwölf Jahren bin ich für die Wasserzuteilung zuständig und konnte die Bauern am unteren Lauf des Kanals nicht mit ausreichend Wasser bedienen. Die Zu- und Abläufe waren zerstört, das Wasser versickerte in Leckagen. Vielen Familien verdorrte der Weizen, der Reis und das Gemüse auf den Feldern.“ Entsprechend explosiv war die Stimmung unter den Bauern.

Deutschland investierte 2,1 Millionen Euro, um drei Bewässerungskanäle und Hochwasserschutzmauern in Baghlan wiederherzustellen – darunter auch den Baladory-Kanal. Im Auftrag der Provinzregierung bauten lokale Unternehmen 2013 den Kanal, finanziert aus Mitteln des Regionalen Strukturentwicklungsfonds (RIDF) . Vor Baubeginn setzten sich die Ratsversammlung der Wassernutzer, Mirab Mahsal, ein Vertreter des afghanischen Energie- und Wasserministeriums und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen. Gemeinsam erarbeiteten sie ein Nutzungskonzept. Mahsals Augen leuchten: „Es war toll, dass Regierungsvertreter und die Bevölkerung gemeinsam geplant und entschieden haben.“

Der Erfolg kann sich sehen lassen: Das Wassergesetz schreibt vor, dass jeder Bauer die gleiche Menge Wasser pro 2.000 Quadratmeter Land erhält. „Die Landwirte am Oberlauf bekommen 30 Minuten Wasser am Stück, die am Unterlauf 50 Minuten – und das mehrmals am Tag“, erklärt Mahsal. „Diese Einteilung ist wichtig, denn die Strömung lässt über die Länge des Kanals nach, sodass weiter unten weniger Wasser ankommt.“ Stellt der Wassermanager Probleme fest, wendet er sich an das Ministerium. Neben den offiziellen Zuflüssen zu den Kanälen haben die Bauern eigenständig weitere zahlreiche Wasserentnahmestellen angelegt. Dadurch kam bei den stromabwärts liegenden Nutzern häufig nicht mehr genug Wasser an. Das gehört nun der Vergangenheit an, bestätigt Naseem Akbary, Wasserbauingenieur im Ministerium: „Wir haben sämtliche Anschlüsse neu ausgelegt, sodass der Wassermanager das Wasser heute gleichmäßig verteilen kann.“

Wassermanager haben eine lange Tradition in Afghanistan. Der Posten wird vom Vater auf den Sohn vererbt. Doch dieser muss jährlich in der Ratsversammlung der Wassernutzer in seinem Amt neu bestätigt werden. Mirab Mahsel ist stolz auf das Vertrauen, das ihm die Menschen entgegenbringen: „Seit dem Bau des Kanals ist genug Wasser für alle da. Die Erträge einiger Produkte der Bauern haben sich verdoppelt.“

Programm: Regionaler Infrastrukturentwicklungsfonds (RIDF)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Afghanisches Ministerium für Finanzen
Durchführungsorganisationen: KfW
Provinzen: Badakhshan, Baghlan, Balkh, Kunduz, Samangan, Takhar
Programmziel: Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung der sozio-ökonomischen Grundlagen der afghanischen Gesellschaft und Planungsmechanismen für lokale Verwaltungs- und Staatsorgane.
Gesamtlaufzeit: 2014 – Dezember 2021
 
Die Landwirte am Oberlauf bekommen 30 Minuten Wasser am Stück, die am Unterlauf 50 Minuten – und das mehrmals am Tag.
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