Wasser trinken ohne Angst vor Keimen

Es ist ein sonniger Morgen an der Farida Balkh Schule in Mazar-e Sharif, der Provinzhauptstadt der afghanischen Provinz Balkh. Rund 4000 Schülerinnen und Schüler aus der Stadt gehen hier jeden Tag zur Schule. Heute machen die Kinder auf dem Schulhof einen fröhlichen und lernwilligen Eindruck – doch das war nicht immer so.

Frau Nadera, die erfahrene Direktorin der Schule, arbeitet schon seit vielen Jahren hier. Sie erinnert sich: „Jeden Tag hielt ich zehn bis 20 Krankmeldungen in den Händen. Die Schülerinnen und Schüler litten an Durchfall und Erbrechen, die Eltern brachten sie regelmäßig in das Krankenhaus. Besonders schlimm war es immer im Frühjahr und im Sommer, in den warmen Monaten. Natürlich war uns allen der Grund für die ständigen Erkrankungen klar – es lag an der schlechten Trinkwasserqualität.“ Hatten die Schulkinder der Schule Durst, waren sie auf das Wasser der nahegelegenen Brunnen angewiesen – genauso wie ein großer Teil der anderen in Balkh lebenden Menschen. Mit Widerwillen erinnert sich die 13-jährige Schülerin Yasmine: „Das Wasser war immer schmutzig und mit Dreck versetzt. Auch mein Vater musste mich schon ins Krankenhaus bringen, nachdem ich das Wasser getrunken hatte, denn mir ist furchtbar schlecht geworden und ich hatte schreckliche Bauchschmerzen.“ Unter diesen Bedingungen war ein effizienter und spaßiger Unterricht an der Schule kaum möglich.

Diese Situation gehört inzwischen der Vergangenheit an. Die Bundesregierung unterstützte den afghanischen Wasserversorger AUWSSC in Balkh mit knapp 6 Millionen Euro, um der Bevölkerung eine moderne und hygienisch einwandfreie Trinkwasserversorgung zu bieten. Bislang entstanden ein rund 33 Kilometer langes Wasserleitungsnetz und ein Hochwasserturm mit einer Kapazität von fast 300 m3. Außerdem wurden zwei neue Brunnen gebohrt und mit Tauchpumpen ausgestattet. Am wichtigsten ist aber, dass das Trinkwasser nun chloriert und damit desinfiziert wird. Ingenieur Hamidullah Yellani, verantwortlich für den Bau des neuen Trinkwassersystems bei AUWSSC, erklärt: „Wir haben ein neues Gebäude mit einem Lagerraum für die Chemikalien, die wir für die Wasseraufbereitung benötigen. Das Wasser wird fortlaufend chloriert. Neue Mess- und Prüfgeräte ermöglichen es uns, die Trinkwasserqualität ständig zu kontrollieren.“ Die Maßnahmen greifen bereits – die Qualität des Trinkwassers hat sich deutlich verbessert.

Laut Yellani sind mittlerweile über 780 Haushalte an das neue Trinkwassernetz angeschlossen, auf 2.000 Haushalte will der Wasserversorger die Anschlüsse noch erweitern. 780 Haushalte – dies entspricht knapp 4.000 Bürgern die nun Zugang zu sauberen Trinkwasser haben. Wahid Ullah Raasched, Leiter des Büros für die Wasserversorgung der Nordprovinzen, betont: „Jetzt ist es wichtig, dass die Bevölkerung ihre Wasserrechnungen auch tatsächlich pünktlich bezahlt. Nur wenn wir die Betriebskosten wieder einspielen, können wir die Versorgung mit sauberem Trinkwasser auf die ganze Provinz Balkh ausdehnen.“

Viele Familien in Balkh erhalten bereits sauberes Trinkwasser. Aber die meisten Menschen in den Dörfern Afghanistans beziehen ihr Wasser aus Flüssen, Brunnen, Quellen oder sammeln Regenwasser. Verschmutztes Trinkwasser soll für viele Erkrankungen und Krankenhausbesuche im Land verantwortlich sein. Welchen Einfluss das saubere Wasser hat, macht Schuldirektorin Nadera mit wenigen Worten klar: „Seitdem wir die neue Wasserleitung haben, habe ich keine Krankmeldungen mehr wegen Durchfall und Erbrechen bekommen.“ Bauleiter Yellani geht sogar noch weiter: „Bei einer Besprechung mit den Gesundheitsverantwortlichen der Provinz Balkh berichteten diese, dass seit Baubeginn des Trinkwassersystems die Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen kontinuierlich abnahmen.“ Die Schülerinnen und Schüler an der Farida Balkh Schule können ihren Durst also endlich ohne Angst vor Bakterien stillen.

Verschmutztes Trinkwasser ist ein Problem in zahlreichen Provinzen Afghanistans. Seit 2004 engagiert sich die Bundesregierung, die Trinkwassersituation im Norden des Landes zu verbessern. Mehr als 77.000 Haushalte sind mit Unterstützung der Bundesregierung zwischen 2009 und 2017 an ein Trinkwassernetz angeschlossen worden. Dies entspricht bis zu 400.000 Menschen in Afghanistan, die dadurch Zugang zu Wasser in hygienisch einwandfreier Qualität erhalten haben. Die deutsche Beteiligung am Bau der Wasserversorgung in Balkh begann 2012 und endete 2016.

Veröffentlichung: 07/2018
Programm: Wasserversorgung Nördliche Klein- und Mittelstädte (NC I + II)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Ministerium für Stadtentwicklung, Afghanistan; Gesellschaft für die städtische Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Afghanistan (Afghan Urban Water Supply and Sewerage Cooperation – AUWSSC)
Durchführungsorganisationen: KfW
Provinzen: Balkh, Badakshan, Kunduz, Takhar, Baghlan
Programmziel: Ziel ist die Verbesserung der Gesundheitssituation und der Lebensqualität in den ausgewählten mittleren und kleineren Provinzstädten.

 

 

Seitdem wir die neue Wasserleitung haben, habe ich keine Krankmeldungen mehr wegen Durchfall und Erbrechen bekommen.
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